Das Gründerehepaar des Museums Alt-Rothenburger Handwerkerhaus

Wie kam es zum Museum Alt-Rothenburger Handwerkerhaus

Hallo ich bin Otto Berger.
Ich erzähle euch die Geschichte des
Alt-Rothenburger Handwerkerhauses

Das völlig verwahrloste und leerstehende Häuschen im Alten Stadtgraben 26 habe ich 1972 gekauft. Mit Günther Laudenbacher von den Schopf-Keglern waren wir uns einig! Die Fassade kann man mit Mühe erhalten, alles Andere bricht ohnehin bald in sich zusammen Und dann errichte ich dahinter eine großzügige Kegelbahn.


Pläne wurden erstellt. Bald darauf hatten wir im Markusturm einen Gast, der mich fragte, wem dieses Häuschen gehöre. Er stellte sich als Historik-Professor Dr. Heukemäs aus Ladenburg vor und zeigte mir Bilder, wie unter seiner Anregung ähnliche „Bruchbuden“ wunderschön erhalten wurden. Seine Aussage: „Das hier ist ein Kleinod und Sie müssen alles daran setzen, es zu erhalten“. Er veranlasste eine dendrochronologische Untersuchung: Ergebnis war, 1370 erbaut.

Und dann kam Rudolf Hundertschuh als neuer Verkehrsdirektor. Er war ein Segen für Rothenburg. Er sprühte vor Ideen und hat mir sehr dabei geholfen, meine Idee durchzusetzen, auch im Winter die Hotels zu öffnen. Auch er wollte das uralte Häuschen anschauen. Wir fanden neben dem Kachelofen im Wohnzimmer einen Spieß, eine Laterne, ein Kuhhorn, einen schwarzen verschlissenen Umhang und einen dick eingestaubten schwarzen Hut.

Wir zeigten Frau Schneiderin Meyer, die im Schopf-Kegler-Team mit Hundertschuh ohnehin fürs Historienfest 1974 schon sehr fleißig schneiderte, den Nachtwächter-Umhang und den Hut. Daraufhin schneiderte Frau Meyer 3 Nachtwächter-Umhänge und besorgte 3 große schwarze Hüte. Zwei Spieße hatten wir noch im Markusturm-Fundus.

Jeden Abend nun zogen drei Nachtwächter vom Markusturm aus los und brachten meine Spieße, die sicher heute noch immer wandern, und die übrigen Utensilien spät nachts zurück. Bewerber gab es Gott sei Dank massenhaft.

Auch Rudolf Hundertschuh sagte: „Otto, dieses vermutlich noch einzige Häuschen aus uralter Zeit musst Du erhalten, koste es, was es wolle“. Durch die großartige Renovierung der Judengassen-Häuser weiß jetzt auch eine breitere Öffentlichkeit, welche finanziellen Opfer erbracht werden müssen.

Ohne meine leider schon verstorbene Frau Marianne gäbe es dieses Museum nicht. Die sorgfältige Sanierung des altehrwürdigen Häuschens aus der Gründerzeit Rothenburgs war das Eine. Aber welche Verwendung kann solch ein uraltestes Baudenkmal bekommen? Ein Geschäft? Unmöglich! Ein Wohnhaus? Unmöglich! Da kam Marianne und sagte: „Ich hab‘s! Wir machen ein Museum!“. Sie war von der Idee begeistert. In ihrem Hotel Markusturm hatte Sie sich ja als begnadete Innenarchitektin schon bewiesen. Für die neue Aufgabe war sie Feuer und Flamme. Ihre neue Lektüre: Wohnkulturen der vergangenen Jahrhunderte. Im Alleingang richtete sie einen Raum nach dem anderen ein. Ein 16-Stunden-Tag war für sie normal.

Nach 4 Jahren seit dem Ankauf konnten wir am 3. Juni 1976 die Museums-Eröffnung feiern. Die Delegation aus München „Nichtstaatliche Museen“ überschlugen sich vor Lobeshymnen und konnten nicht glauben, dass Marianne Berger das im Alleingang geschafft hatte.

Seitdem steht das liebevoll eingerichtete Alt-Rothenburger Handwerkerhaus, während der Saison für Jedermann und Jederfrau offen zur Besichtigung.

das ist die Schusterkugel, mit der macht man es hell wenn Sie mit Wasser gefüllt ist
die Vorratskammer, gut ausgestattet
eine der Vorratskammern
wenn es dunkel wurde, gab es nur eine Kerze als Licht
der wunderbare Rosengarten